Jazzpoint BSIN02225695

Kern, Katie - Still Young

STILL YOUNG einerseits ein Prädikat, das die ältere Generation leicht schmunzelnd durch ihre vermeintlich grössere Weisheit an die jüngere zur kritischen Bewertung jugendlicher Handlungen verteilt, andererseits steht es aber auch für all die Dinge, die sich die jüngere Generation eben "rausnehmen" kann, und sicherlich ist bei Katie Kerns so betitelter CD letzteres der Fall. Denn hier wird einiges "rausgenommen" und dies wiederum ganz ohne überschwänglichen Sturm-und-Drang-Tatendrang, sondern überlegt und gekonnt.
Hier stehen Blues, Country und Jazz ohne größere "Cross-Over"-Tendenzen (das Titelstück ausgenommen) Seite an Seite. Stilistisch präsentieren sich die ausgesuchten Stücke weitestgehend in ihrer jeweiligen reinen akustischen oder elektrischen Form, vom traditionellen Delta-Blues bis zum swingenden Jazzstandard und unverfälschtem Country.
Darf man so etwas machen, wenn man bzw. frau Still Young ist. Ist es Eklektizismus. Was sagt der Bluespurist dazu.
Am besten, man hört einfach rein. Die Bluestitel sind mehr als hinlänglich bekannte Coverversionen, wer sich Blind Blake's Bad Feeling Blues (als akustisches Eröffnungsstück sicherlich als musikalisch programmatisch zu verstehen) sowie Kompositionen von - dem allgemeinen Bluespublikum nicht so häufig dargebotenen - Scrapper Blackwell Goin where the Moonon crosses the yellow Dog oder Smoky Smothers Prosecutor annimmt, hat sicherlich mehr als nur die Standardhausaufgaben gemacht - erweitert durch den modulierenden. Rainy Day Blues (Willie Nelson) und einer traditionell swingenden Version von Route 66. Rockabilly ist mit der Carl Perkins Nummer Restless dabei und in der nostalgisch anmutenden (co-) Eigenkomposition He's Fine (als akustischer Abschlusstitel) kommen Reminiszenzen an klassische Jazz-Bluesladies auf.
Dazu gibt es Country im (co-) komponierten Last Waltz, Hey Porter (Johnny Cash), sowie die ruhige - und gerade dadurch emotionale - akustische Ballade Til I Gain Control Again. Jazz wird durch die Standards The Man I Love, hier in einer up-tempo Version, Cherokee (als swingende Vokalnummer) und dem akustischen Zigeunerjazz in Jammin' with Jimmy vertreten.
Das Titelstück Still Young, wiederum eine Eigenkomposition, fasst die aufgefü ;hrten Stile stilistisch als auch im Titel bestens zusammen.
Fast hat der Hörer das Gefühl, sich im Verlauf der CD auf drei verschiedenen Konzerten zu befinden, in denen durch Katies ausdrucksstarke und an Bonnie Raitt erinnernde Stimme sowie ihr aus gefeiltes und stilistisch versiertes, jedoch nie aufdringliches Gitarrenspiel das Konzept zusammengehalten wird. Das oft zitierte Postulat, dass technische Fertigkeiten im Dienst der Songs stehen sollen, wird hier bewiesen.
Katie Kern (guitar & vocal), Jörg Reiter (Fender Rhodes), Werner Dannemann (guitar), Klaus Marquardt (violin), Paul Harriman (bass), Steve Grant (drums), Jan Jankeje (Bass), Oscar Klein (clarinet on " He's Fine")
14 Tracks. Total time: 56.59
Die Wiener Blues-Szene darf jubeln, denn jetzt ist sie da: die Debüt-CD eines ihrer größten Talente, noch dazu einer weiblichen Blues-Interpretin, die in Österreich eine Ausnahmestellung für sich beanspruchen darf: die Sängerin und Gitarristin KATIE KERN, den Blues-Fans der Hauptstadt aus unzähligen Live-Events solo, mit Band und mit Größen wie Oscar Klein bestens bekannt. Sie stellt auf dieser CD die ganze Bandbreite ihres Könnens aus.
Der Opener ist ein Blind-Blake-Klassiker, aber neben Country-Blues finden sich auch Jazz-Standards wie Cherokee und The Man I Love. Dazwischen: Rockabilly von Carl Perkins, Country von Johnny Cash und eigenes Songmaterial, zum Teil co-komponiert mit Förderer Karl Ratzer. Das breite Repertoire von Stilen ermöglicht der Musikerin, die ganze Palette ihrer technischen und musikalischen Potentiale auf dem Instrument als auch stimmlich abzurufen, und das Ergebnis ist mehr als achtbar. (www.jazzzeit.at (November 2003)
Preis: 18,50 EUR