Pannon Archiv BSIN04037829

Various Artists - K.u.K. Ragtime (Az Osztrák-Magyar Monarchia ragtime-korszaka)

K. u. k. Ragtime (Die Ragtime-Epoche der Österreich-Ungarischen Monarchie)
Die 25 großteils unveröffentlichten Tracks wurden in den Jahren 1903 bis 1921 aufgenommen.
Tracklisting:
1. I Would Leave My Little Wooden Hut For You (Traditional) énekli Mr. Burt Shepard (Gramophone Concert Record G.C.-2-72049, 1903) (2:47)
2. Amerikai Négerdalok (Traditional) Mária Terézia 32-es cs. és kir. gyalogezred zenekara. Karnagy: Pribik Ottokár (1647-f, Favorite 1-22506, 1905) (2:24)
3. A néger ébredése (Traditional) Mária Terézia 32-es cs. és kir. gyalogezred zenekara. Karnagy: Pribik Ottokár (Favorite 1-23511, 1905) (2:27)
4. Pali (Weiner István) Baumann Károly zenekari kísérettel (5729r, Gramophone Concert Record G.C.-4-102205) (3:28)
5. Egy éjjel a Palais de Dance-ban (Unknown) Palais Dance Band (14735, “Diadal” D 1163, 1913) (2:54)
6. There's A Girl In Havana (Sloane) Bariton mit Schrammelbegleitung (Ve 504, Odeon 14701, 1912) (2:57)
7. The Wedding Glide (Hirsch) Wiener Schrammel-Orchester (5052, Isi 833a, 1912) (2:58)
8. Smavá láska (Lachende Liebe) (Christine) V. Cizek umel hvizdáni, S pruvodem orchestru (Ze 760, Odeon CIS 17777, 1912) (2:44)
9. Im Zauber des Missouri (Irish Traditional) Schmidt und Tichy, Violine und Klavier (Favorite 1-24228, 1912) (2:47)
10. Hobomoko (Reeves) V. Cizek umel hvizdáni, S pruvodem orchestru (Ze 759, Odeon CIS 17776, 1912) (2:44)
11. Zamona (Max Hoffmann) Karl Proháska, Liedersänger mit Klavierbegleitung L. Gruber (1981, Dacapo D-1981, 1912/13) (2:15)
12. In The Shadows (Schattenspiele) (Finck) Berkes Béla és zenekara (He 486, Odeon 15895, 1913) (2:50)
13. Cake Walk (Josef Kleins) Wiener-Salonkapelle, Dirigent: Robert Hügel (O-7021, Parlophon O.7021, 1913) (3:39)
14. Detektiv Tanz (Christine) Wiener Salon-Orchester (2972 [08803], Metafon 2195, 1913) (2:39)
15. Yankee Doodle (George M. Cohan) Wiener “Elite” Salon-Orchester (14701, A.B.C. Grand 2295, 1913) (2:26)
16. Indianola (Onivas) Berkes Orchester (68736, Columbia 7688, 1919) (2:52)
17. Hallo, vasárnap délután (Hallo, du süße Klingelfee) (Robert Stolz-Artur Rebner-Halász István), Ujvari Károly, kíséri Favorite zenekara (Favorite 1-025709, 1920) (3:07)
18. Te megzavartál engem (Du hast mich verrückt gemacht) Játszotta: ifj. Berkes Béla udvari tánczenész és zenekara (68741, Columbia D-7705, 1919) (2:48)
19. Arizona (Melville Gideon) Trocadero-Orchester (59665, Odeon 59665, 1920) (2:28)
20. The “Wam” (Te Wamp) (Traditional) Zigeunerkapelle Meisterprimas Kóczé Antal Jr. Budapest (59746, A.B.C. Grand 59746, 1920) (2:45)
21. Heut' muss ich mein Mäderl haben (Tjüh, de kutya jókedvem van) (Ötvös Adorján) Tanz-Orchester, Kapellmeister: Tauber (77ar, Polyphon 15592, 1920) (3:15)
22. Tjüh, de kutya jókedvem van (Ötvös Adorján) Ujvari Károly, kíséri a Favorite Nagyzenekara (15625, Favorite 1-025637, 1920) (2:56)
23. Der Silber-Fox-Trott (Hugo Hirsch) Gespielt vom Gr. Favorite-Orcheste (Favorite 1-5056, 1921) (2:40)
24. Hallo! Fox-Trott (Macioce) Gespielt vom Gr. Favorite-Orchester (Favorite 1-5055, 1921) (2:40)
25. Hungarian Rag (Julius Lenzberg) Pietro Deiro (Victor 17609, 1914) (3:00)
Released 2007.

K. und k. Ragtime? Die Wortverbindung erscheint mehr als ungewöhnlich. Im Zusammenhang mit der 1867 bis 1918 bestehenden Doppelmonarchie kommt einem so manches in den Sinn - etwa die Sezession, die Psychoanalyse oder die Zweite Wiener Schule. Wer aber würde an eine Musikgattung wie den Ragtime denken, dem der Mief der Unterhaltungsindustrie anhängt? Dies trotz der Operette, die sich zweifelsohne als Feld kulturgeschichtlicher Forschung etablieren konnte.

In den Höhen der Kultur schwelgend, entgehen uns zeitweilig die tieferen Gefilde der Unterhaltungskunst, die nichtsdestotrotz Teil des Alltags sind, egal von welcher Epoche wir sprechen. Die Unterhaltung ist so alt wie die Menschheitsgeschichte. Obschon sie gewissermaßen in und für die Gegenwart lebt, dürfen ihre Genres aus keiner ganzheitlichen kulturgeschichtlichen Betrachtung fehlen.

Malen wir uns die Epoche Franz Josephs vor Augen, die in Ungarn häufig als „glückliche Friedenszeiten“ bezeichnet wird, taucht gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine musikalische Erscheinung auf, die sich quer über die Vereinigten Staaten und Europa ergoss und Einzug in die Musikgeschichte hielt. Mit seinem unverkennbaren Rhythmus eroberte der Ragtime nicht nur die Unterhaltungsbranche, sondern hinterließ auch im Werk klassischer Komponisten wie Debussy, Satie und Stravinsky seine Spuren. Seinen Welterfolg, der bis heute andauert, verbuchte der Ragtime allerdings als selbständiges musikalisches Genre.

Wie anderswo in Europa stieß der Ragtime - oft als früher Jazz betrachtet - um die Jahrhundertwende auch in der Österreich-Ungarischen Monarchie auf einen entsprechenden Nährboden. Die langen Friedenszeiten, der kulturelle Aufschwung, der Aufstieg von Wien und Budapest zu Metropolen und die Herausbildung großstädtischer Lebensweise begünstigte die Verbreitung von Genres der Unterhaltungsmusik, die immer mehr auch den Alltag mitprägten. Die wirtschaftlichen und politischen Spannungen, die zum Ersten Weltkrieg und zum Zerfall der Monarchie führten und die Krisenerscheinungen wurden der Vermittlung der hohen Künste überlassen und selbst die sieben Pistolenschüsse von Sarajevo, die im Juni 1914 das Leben des österreichischen Kronprinzen Franz Ferdinand auslöschten, konnten mitsamt dem ausbrechenden Weltkrieg die Anziehungskraft des Ragtime nicht brechen.

Der Ragtime überlebte also nicht nur die Monarchie, sondern nimmt verdienterweise seinen Platz in der Kulturgeschichte der Monarchie ein.
(Géza Gábor Simon)
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